Heute früh gegen halb vier bin auch ich endlich eingeschlafen. Zuerst war es auf dem Gang draußen ziemlich laut und als es endlich leiser wurde, habe ich mich nur noch von links nach rechts und wieder zurück gedreht. Wirklich keine erholsame Nacht :-(. 4 Stunden später wach ich wieder auf. Ma ist schon unterwegs um uns Kaffee zu machen; gut geschlafen hat sie wohl auch nicht. Wir packen alles zurück ins Auto und sind schon vor 9 Uhr auf der Straße. Kurz im Stadtzentrum noch ein paar Briefmarken, für die Post in die Heimat, kaufen, unseren Spacy wieder voll tanken und dann starten wir in die Fjordlands zum Milford Sound. Um die 120 Kilometer liegen vor uns, pro Strecke.
Die ersten Kilometer legen wir auf schnurgerader Straße zurück, ungewohnt, wenn man in die Berge fährt :-)Das Wetter sieht bis her noch ganz gut aus und wir haben die kleine Hoffnung, den Sound bei etwas Sonnenschein zu sehen. Wir erreichen die ersten Wälder und kaum wird es kurvenreicher, haben wir schon den ersten Kriecher vor uns. Immerhin zeigt uns das Straßenschild an, dass die Straßen heute offen sind. Bei extremen Wetterverhältnissen kann es vorkommen, dass die Milford Road geschlossen wird.
Wir machen erst nach einer längeren Fahrtzeit Pause, genießen ein wenig das noch vernünftige Wetter, steigen wieder ein, fahren los und stellen fest, dass wir eine Menge Sandflies im Wagen haben. "Wunderbar"! Die ersten erschlage ich während der Weiterfahrt, halte aber doch nochmal an um die restlichen tot zu bekommen. Inzwischen juckt es mich überall.
Wir erreichen die ersten hohen Berge, die von Wolken verdeckt sind, fahren durch enge, dunkelgrüne Täler und die ersten Regentropfen landen auf der Windschutzscheibe. Die zu sehenden Berggipfel sind bedeckt mit Schnee und überall kommen Wasserfälle die Berghänge runter, ein tolles Bild! Wir passieren die ersten Straßenschranken, die im Notfall geschlossen werden. Heute sind sie offen.
Einige Touri-Busse sind auch schon unterwegs und wir erreichen die Einfahrt zum Homer Tunnel. Dieser Tunnel wurde in den Berg geschlagen und bis heute sind die Wände und die Decke nicht bearbeitet bzw. stabilisiert. Da der Tunnel außerdem sehr eng ist, regelt eine Ampel die Durchfahrt. Es kann daher bis zu einer viertel Stunde Wartezeit kommen, aber wir sind ja nicht in Eile. Wir stellen unser Auto ab, laufen ein wenig durch die Gegend, welche eher gespenstisch wirkt und entdecken einen Kea. Wir durchfahren den Tunnel, welcher stockdunkel ist, die Straße ist sehr holprig, es geht abwärts und ich bin erleichtert, als wir die 1,3 Kilometer lange Röhre verlassen können.
Jetzt sind wir mittendrin im Fjord. Die Straße schlängelt sich durch das Tal, der Regen hat noch mehr zugenommen neben der Straße liegen Geröllhaufen und Schnee, es ist noch etwas nebliger und grauer geworden, aber es ist trotz allem beeindruckend. Vorbei an unzähligen Wasserfällen erreichen wir die Ortschaft "Milford Sound". Hier starten die Wandertouren, die Bootsausflüge und sonstige touristische Aktivitäten. Sonst hat das Örtchen nicht viel zu bieten: ein Café, eine Zapfsäule, ein Hafen und eine Unterkunft. Mehr können wir nicht entdecken, denn inzwischen gießt es wie aus Kübeln. Wir suchen uns einen Parkplatz um uns in dem überfüllten Café mit einem Heißgetränk aufzuwärmen. Dieses lässt gute 10 Minuten auf sich warten. Aufgrund des Wetters beschließen wir, den Rückweg anzutreten, denn den bekanntesten Berg hier im Sound, den Mitre Peak werden wir wohl nicht zu Gesicht bekommen. Da der Nationalpark mit über 200 Regentagen pro Jahr zu den regenreichsten Regionen der Erde gehört, wäre es auch fast ein Wunder, wenn wir hier schönes Wetter hätten.
Wir machen uns auf den Rückweg, halten öfter für Fotos an und als wir an den Homer Tunnel zurück kommen, ist die Ampel zum Glück wieder grün. Auch auf dem Rückweg bin ich froh, als wir wieder Tageslicht erblicken :-). Auf dem Parkplatz hinter dem Tunnel stehen eine Menge Reisebusse, die alle nach Milford Sound möchten. Darum sind wir so früh los gefahren. Die Straße schlängelt sich entlang des tobenden Flusses, in dem manch mit einem Kajak unterwegs ist :-O. Wir trauen uns gerade mal auf eine kleine Hängebrücke, die sich über den Fluss spannt.
An einem kleinen Abzweig entscheiden wir uns für die Schotterstraße, wohin auch immer sie führt. Dort sind wir ganz alleine und fahren durch saftig-grüne Wälder, das ist wirklich der Wahnsinn. Leider beendet das "Road Ends"-Schild unseren kleinen Ausflug und wir müssen zurück zur Hauptstraße. Da ist schon der nächste Schleicher unterwegs :-(.
Als wir die Bergregion verlassen, bin ich doch ganz froh, denn der starke Regen hat das Fahren anstrengend gemacht. Gegen 15 Uhr kommen wir wieder in Te Anau an. Hier wollen wir für die kommende Nacht nicht bleiben, aber wir gönnen uns nochmal einen Kaffee und gehen vorsichthalber nochmal einkaufen. Man weiß ja nie, wo man landet. Nach weiteren 50 Kilometern landen wir in Mossburn, einer sehr überschaubaren Ortschaft. Den einzigen Campingplatz finden wir auch, sind aber unentschlossen, ob wir zelten oder ein festes Dach über dem Kopf haben wollen. Der Regen wechselt sich gleichmäßig mit der Sonne ab. Wir nehmen lieber eine Cabin, welche am Rand einer großen, ausgetrockneten Wiese steht, auf der kaum ein Mensch zum Campen steht.
Die Besitzer des Platzes sind sehr freundlich und halten einige Tiere wie Alpacas, Hühner und Pfauen auf dem Gelände. Es regnet wieder und wir gehen, gefolgt von den Hühnern in die Küche um uns ein leckeres Steak mit Maiskolben zu machen. Am Abend kommt die Sonne wieder raus und wir bekommen Besuch von dem Pfauen-Pärchen, die ein bisschen Futter bekommen und dank des schönen Wetters können wir bis spät abends noch draußen sitzen.